29.09.2004
Threadneedle: Europäische Aktien - zweistelliges Gewinnwachstum für 2005 erwartet
Köln, den 29.09.2004 (Investmentfonds.de) - Die Investoren bewerten europäische Aktien
derzeit, als ob sie schlechte Nachrichten erwarten. Unsere Prognosen besagen jedoch,
dass der Ausblick auf das wirtschaftliche Umfeld und die Voraussetzungen für das Ge-
winnwachstum ganz ordentlich ausfallen. An der ökonomischen Front werden die USA und
Großbritannien 2005 wohl kaum an das Wachstum dieses Jahres herankommen, aber beide
sollten auf einem Niveau wachsen das ausreicht, um für eine gesunde Nachfrage nach Pro-
dukten aus der Eurozone zu sorgen. Die Daten aus Euroland stützen unsere Einschätzung,
dass sich dort die wirtschaftlichen Aktivitäten erholen. Die Eurozone wird zu jenen
Regionen gehören, die im kommenden Jahr das gleiche Wachstum wie 2004 erreichen oder
es sogar übertreffen.
Zwar hat es einige ‚hochkarätige’ Enttäuschungen gegeben (wie z.B. Nokias mehrfache
Gewinnwarnungen), doch insgesamt sind die Meldungen zur Gewinnentwicklung in den zurück-
liegenden Monaten weitgehend positiv gewesen. Die jüngste Berichterstattungs-Saison
lieferte im Großen und Ganzen gestiegene Gewinnschätzungen. Obwohl wir durchaus den
negativen Einfluss der höheren Rohstoffpreise auf die Gewinnspannen der Unternehmen
berücksichtigen, bleiben wir bei unserer Prognose von 14 Prozent Gewinnwachstum im Jahr
2005 zuversichtlich.
Mehr noch, die Unternehmen haben gute Fortschritte bei ihrer Restrukturierung gemacht.
In der Unternehmenskultur hat sich größere Akzeptanz für globale Wettbewerbsfähigkeit
entwickelt. Exemplarisch steht dafür die Bereitschaft der Belegschaft eines deutschen
Unternehmens, die wöchentliche Arbeitszeit um 17 Prozent ohne Extrazahlung zu erhöhen.
Diese Faktoren lassen den Schluss zu, dass durch positive Überraschungen in der Wirt-
schaft die Gewinne letztlich deutlich höher ausfallen könnten, als erwartet. Es gibt
daher letztlich keinen Grund, ein düsteres Bild zur Gewinnentwicklung zu malen.
Aber wie gesagt, die Investoren bewerten die Märkte, als gäbe es ein Problem, genauer
gesagt die Aktieninvestoren verhalten sich so. Am Markt für Unternehmensanleihen sieht
man die Dinge etwas differenzierter. Die Spreads fallen historisch gesehen sehr eng aus.
Sie reflektieren das Vertrauen der Anleger, dass die Bilanzen in einem guten Zustand
sind und nicht unter Druck geraten sollten. Wir denken, hier besteht eine interessante
Anomalie.
Die Bewertungen sind extrem billig und die Risikoprämie für Aktien befindet sich auf
ihrem höchsten Niveau seit mehr als 15 Jahren. Ein Kurs/Gewinnverhältnis von 11,3 auf
der Grundlage der Gewinne des kommenden Jahres liegt klar unter den Durchschnitten der
letzten 10 bzw. 15 Jahre. Wir hatten gehofft, dass diese Bewertungsniveaus die Unter-
nehmen zu Übernahmen anderer Gesellschaften veranlassen würden. Aber die einzige größere
Übernahme, in jüngster Zeit ist das Angebot von Banco Santander für Abbey National, was
kontinentaleuropäischen Investoren nicht viel nutzt. Wir bleiben hoffnungsvoll, dass die
Unternehmensaktivitäten mit zurückkehrendem Vertrauen zunehmen werden und so dem Markt
Auftrieb verschaffen.
Was wir brauchen, ist ein Katalysator, mit dessen Hilfe die allgemeine Risikoaversion
der Investoren überwunden werden kann, die den Markt während des Sommers befallen hat.
Weitere gute Gewinnmitteilungen im Oktober könnten positiver Auslöser dafür sein. Kommen
dann noch spätsommerliches Volumen und anziehende Unternehmensaktivitäten hinzu, könnten
die Aktienkurse aus ihrer gegenwärtigen Seitwärtsbewegung ausbrechen. Unabhängig welcher
Katalysator greift: Wenn sich die Gewinne wie von uns erwartet entwickeln, dann wird der
Markt schon bald ein unhaltbar preiswertes Niveau erreicht haben. Von dort aus sollten
sich die Aktien – wenn die Wirtschaft weiterhin solche Fortschritte macht wie bisher und
es keinen exogenen Schock gibt – dann nur in eine Richtung bewegen.
Quelle: Investmentfonds.de